Karate Dojo Poing

Das Blog des Karate Dojo Poing

Michael Jordan – Versuchen und Versagen

ingo, um 21:44 Uhr am 12-10-2014

Michael Jordan (geb 17.2.1963) gilt als einer der – wenn nicht sogar der – besten und erfolgreichsten Basketballspieler in der National Basketball Association (NBA) Geschichte. Vor ein paar Jahren hatte ich die Gelegenheit, ihn bei einer Veranstaltung als Sprecher hören zu dürfen. Und ich muss sagen, dass er mich nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch und Geschäftsperson sehr beeindruckt.

Michael Jordan (Foto by basketstreaming @ Flickr)

Ich zitiere hier ein zwei seiner Aussagen, die bei mir einen anhaltenden Eindruck hinterlassen haben:

Versuchen

I can accept failure. Everyone fails at something. But I can’t accept not trying.

Ich kann Versagen akzeptieren, keiner ist perfekt. Aber was ich nicht akzeptieren kann ist, es nicht zu versuchen.

Quelle: Jordan, Michael. I Can’t Accept Not Trying : Michael Jordan on the Pursuit of Excellence. San Francisco, CA: HarperSanFrancisco, 1994. p. 12

Ich glaube, dies ist eine zentrale Aussage eines erfolgreichen Sportlers. Neue Dinge auszuprobieren und sehen, ob sie klappen. Wie oft hört man, dass etwas nicht klappen kann; dass man so etwas noch nie gemacht hat. Aber wenn man es nie ausprobiert hat, woher kann man dann wissen, dass es nicht funktioniert? Jordan hat wohl wie wenige andere so ehrgeizig an seinen Zielen gearbeitet.

Ich erinnere mich an meine aktive Sportlerzeit, wo wir („wir“ sind meine Karate-Freunde Waldemar Rauch, Xtof Grabmeier, Mario Di Micoli und ich) als eine der ersten – zumindest in Deutschland – ernsthaftes Leichatlethik-Training in unser Karate-Training eingebettet haben. Wir haben regelmäßig Sprint-ABCs, Sprint-Drills, 100m Läufe, etc. auf dem Sportplatz trainiert, sind im Winter in die Zentrale Hochschulsportanlage der Uni München gegangen und haben dort Leichtatlethik trainiert. Zuerst hiess es, dass uns die Zeit für das Karate-Training fehlt und wir uns nicht weiter entwickeln würden. Aber dann hat sich gezeigt, daß wir wirklich schneller und besser wurden – in der Kata und im Kumite. Nach 20 Jahren ist Athletik-Training ein fester Bestandteil im Trainingsplan der Nationalmannschaft, es gibt Bücher zum speziellen Athletik-Training für Karatekas und viele Sportler nutzen diese Konzepte in ihrem Training.

Neben Leichtathletik habe ich mich mit weiteren „Sportarten“ auseinandergesetzt, um das eine oder andere für mein Karate anwenden zu können: Ballett, Modern Dance, Percussion. Manche meiner Karate-Freunde haben andere Budo-Sportarten erlernt, um dadurch ihr Karate anzurunden: Aikido, Kendo, Judo, TaeKwonDo.

Versagen

I’ve missed over 9,000 shots in my career.
I’ve lost almost 300 games.
26 times I’ve been trusted to take the game-winning shot and missed.
I’ve failed over and over and over again in my life.
And that is why I succeed.

In meiner Karriere habe ich über 9.000 Würfe verfehlt. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 mal wurde mir der spielentscheidende Wurf anvertraut und ich habe ihn verfehlt. Ich habe immer und immer wieder versagt in meinem Leben. Deshalb bin ich erfolgreich.

Zitat aus Nike Culture : The Sign of the Swoosh (1998), by Robert Goldman and Stephen Papson, p. 49

Diese Zahlen von scheinbaren Misserfolg sind beeindruckend: 9.000 mal verfehlt, 300 Spiele verloren. Aber noch beeindruckender ist, wie Michael Jordan damit umgegangen ist. Er nutzt jeden Misserfolg, um hieraus Kraft und Motivation für sein nächstes Spiel zu gewinnen.

Wie oft habe ich einen Fehler in der Kata gemacht, wie oft wurde ein Angriff vom Gegner abgewehrt, wie oft habe ich eine Begegnung verloren? Oft bin ich frustiert aus einer Meisterschaft heimgekehrt, weil es nicht so geklappt hat. Oft war ich der Meinung, dass das Ergebnis unfair war. Zugegeben, Kumite und gerade Kata werden sehr subjektiv gewertet, da Karate eben nicht gemessen oder gewogen werden kann. Irgendwann habe ich aber verstanden, dass ich entsprechend besser sein muss, um auch bei subjektiven Bewertungen zu gewinnen. Also noch härter, noch öfter trainiert, noch neue Trainingsarten versucht.

Der Umgang mit Niederlagen haben mich gestärkt. Sicher im Karate, aber auch in meinem privaten Leben und im Beruf. Auch hier gab es eine Menge Fehlwürfe und Niederlagen. Meine Erlebnisse im Karate haben mir hier aber sehr geholfen.

Erfolg

Und wenn das noch nicht reicht, dann schaut Euch dieses Video an. Es steht 98:96 für die gegnerische Mannschaft, es sind noch 12 Sekunden zu spielen.

Seine Sportler-Karriere so zu beenden bleibt nur ganz wenigen vorbehalten – den entscheidenden Wurf in den letzten Sekunden zu werfen, und das Spiel noch umdrehen zu können. Der Richtige hat getroffen, es hat den Richtigen getroffen.

Ingo

Links:
Michael Jordan – Was machte ihn so “überirdisch”?

Abgelegt unter blog,dojo,mondo | Comments Off

Von anderen Sportarten lernen …

ingo, um 17:09 Uhr am 29-08-2014

Zur Zeit läuft die Europameisterschaft im Schwimmen und ich schaue mir begeistert die Finale im Turmspringen an. Die Sportler zeigen faszinierende Leistungen im Einzel wie in der Mannschaft. Das Finale besteht aus mehreren Runden und es bleibt bis zum Schluss spannend: setzen sich Sportler beständig von Runde zu Runde durch; zeichnet sich ein Sportler schon als klarer Sieger ab oder kann sich doch ein Konkurrent nach vorne schieben; fällt ein Sportler aufgrund eines fehlerhaften Sprungs zurück? Meistens bleibt das Finale bis zum Ende spannend. So musste die Favouritin Tania Cagnotto beim letzten Sprung im 3m Finale doch noch Ihre sicher geglaube dritte Goldmedaille abgeben. In Summe ist das Finale sehr kurzweilig, obwohl es mehrere Stunden andauert. Auch die Reaktionen der Sportler zwischen den Durchgängen und bei der Wertung tragen hier zur Kurzweile bei.

Quelle: http://www.zimbio.com/

Was aber hat Turmspringen mit Karate zu tun ?

Ich finde, dass wir im Karate vom Turmspringen lernen können: die Wettkampf-Regeln sind nicht nur attraktiv für Zuschauer und Medien, sondern – wie ich finde – auch fairer für den Sportler. Ich sehe folgende Punkte als interessant

  1. Das Finale besteht aus mehreren Runden
  2. Die Wertungen bestehen aus 2 Komponenten: Ausführung und Schwierigkeit
  3. Die Wertung ist besser abgestuft






Ein Finale mit mehreren Runden erlaubt, dass sie Sportler sich mehrmals den Finalgegnern stellen müssen. Eine einzelne Finalkata reicht nicht mehr aus, es müssten dann verschiedene Katas gezeigt werden. Abhängig von der Anzahl der Runden wäre das dann nicht nur immer dieselben Finalkatas Gojushiho-Sho, Gojushiho-Sho, und Unsu. Zwar zeigen die Athlethen bereits heute diverse Katas in den Vorrunden, aber im Finale werden dann aber doch nur sehr, sehr wenige Katas gezeigt werden. Das langweilt den Zuschauer, und macht das Finale wenig interessant.

Quelle: http://www.budoten.com/

Hier kommt der zweite Aspekt ins Spiel. Wenn eine Vielzahl von Katas gezeigt werden, müssen diese untereinander vergleichbar werden. Lange Katas vs. kurze Katas, risiko-behaftete Katas mit Sprüngen (zB. Unsu, Kanku-Sho), Drehungen (zB. Jiin) und Ständen auf einem Bein (zB. Gankaku) vs. sichere Katas, schwierige Katas vs. einfachere Katas. Wie beim Sprüngen würde es einen Schwierigkeitsfaktor geben, mit dem die Wertung der Kampfrichter verrechnet wird. Die Katas werden so wieder miteinander vergleichbar. Eine Unsu hätte einen Schwierigsgrad von beispielsweise “6″, eine Sochin einen Schwierigsgrad von “4″. Ein Gremium von Experten definieren die Schwierigkeitsgrade im Vorfeld, damit Sportler diese dann bei der Wahl der Katas berücksichtigen können.

Und das führt nun zum dritten Aspekt. Wenn es mehrere Runden gibt und man akzeptiert, dass verschiedene Katas auch unterschiedliche Schwirigkeitsgrade besitzen, reicht ein einfaches ja / nein, bzw. “rot” und “blau” nicht mehr aus. Die Wertung muss besser abgestuft werden. In vielen vergleichbaren Sportarten (Kunstturnen, Turmspringen, rhythmische Sportgymnastik, etc.) gibt es ein Punktesystem. Dieses wurde auch früher im Karate eingesetzt, aber man hat dies auch diversen Gründen für ein Flaggensystem abgeschafft. In meinen Augen eine sehr schlechte Entwicklung, da die Auslosung der Teilnehmer – trotz Trostrunde – sehr entscheidend wurde.







Quelle: http://karate-jena.de/

Natürlich hat dieses System auch Nachteile. Ein Finale würde zwangsläufig viel länger andauern. Ich meine jedoch, dass das Finale kurzweilig gestaltet werden kann, wie wir am Beispiel Turmspringen gesehen haben. Mit dem Einzug von elektronischen Medien kann dem Zuschauer das aktuelle Ranking sehr transparent gemacht werden, er nimmt unmittelbar am Geschehen teil. Ein Faktor, der leider immer bestehen bleibt, ist die subjektive Bewertung der Leistung. Leistung im Karate kann eben nicht gemessen oder gewogen werden, es sind immer Menschen, die die Leistung von Sportlern bewerten. Das war immer so, und wird auf absehbare Zeit auch so bleiben.

Die Vorteile sehe ich übrigens nicht nur in der Kata, auch im Kumite könnte man sich Änderungen vorstellen. Wie in anderen Zweikampf-Sportarten – sei es Boxen oder Ringen – gibt es mehrere Runden und nicht nur eine Runde wie im Kumite. Man könnte sich so zum Beispiel ein Modus “Best of Three” vorstellen, bei dem ein Finalkampf aus zwei bzw. drei Runden besteht. Anfordernder für den Sportler, und gleichzeitig spannender für das Publikum. Solche Modi gibt es zu hauf: Grand Slam im Tennis, Playoffs im Eishockey, Basketball, Volleyball, etc. (übrigens wird als einer der Vorteile des Best-Of Modus Zeitersparnis genannt: Wenn die beiden Spieler sich in ihrer Spielstärke drastisch unterscheiden, müssen sie nicht alle Sätze spielen – zum Beispiel beim Best-of-Three-Modus nur zwei anstelle drei.). Sicher hat das WKF Kumitesystem Vorteile zum Shobu-Ippon, bei dem oft bereits eine einzelne Technik über Sieg und Niederlage entscheidet. Aber auch hier könnte man über eine Weiterentwicklung nachdenken.

Die Vertreter des traditionellen Karate mögen jetzt aufzeigen, das das traditionelle Karate auf die eine, vernichtende Technik abzielt – insbesondere im Shotokan Karate. Da wir hier aber von medien-attraktiven Sport sprechen, möchte ich diese Diskussion hier nicht führen. Das ist ein Thema für ein anderen Blogpost ….

Was denkt ihr über solche Regeln? Machen Sie Sinn oder nicht? Nutzt die Kommentarfunktion, um Eure Meinung hierzu zu sagen.

Abgelegt unter blog,mondo,wettkampf | Comments Off

Was ist Karate – oder: Warum ich Karate betreibe

ingo, um 17:40 Uhr am 11-01-2014

Wenn immer Leute erfahren, daß mein Hobby Karate ist, wird mir die Frage gestellt: Wie weit sind Sie denn schon? Wieviele Ziegelsteine können Sie denn schon zerschlagen? Darauf habe ich eine einfache Antwort: Bisher hat mich noch kein Ziegelstein angegriffen!

Vielleicht hatten auch Sie dieses Bild vor Augen, als Sie das Wort Karate hörten. Ich möchte ihnen zeigen, dass Karate etwas ganz anderes ist. Also: was ist Karate?

Karate ist eine Kampfkunst. Eine Kampfsportart zur Selbstverteidigung, .d.h. es werden Angriffs- und Abwehrtechniken zur eigenen Verteidigung erlernt. Dabei ist das Ziel, Techniken mit einer jahrhunderte-alten Tradition zu erlernen. Dies stellt ein sehr hohes Ziel dar. Denn hinter den einzelnen Techniken steht nicht nur eine sportliche Leistung, sondern auch eine alte Philosophie, die gelernt werden muß. Die Techniken allein mögen nämlich durchaus für einen Beobachter oft nicht eindeutig in ihrem Sinn oder sogar sinnlos erscheinen. Erst durch die dahinterstehende Anwendung bzw. Philosophie erhalten sie ihren Sinn. Hierin unterscheiden sich die verschiedenen Kapfsportarten. Hinter den asiatischen Kampfsportarten steht eine traditionelle Philosophie, ganz im Gegensatz zu amerikanischen und modernen Formen des Kampfsports.

Genau genommen sprechen wir hier nicht von Karate, sondern von Karate-Do. Do bedeutet vom Japanischen übersetzt: Weg. “Der Weg ist das Ziel” stellt hier die entscheidende Aussage dar. Und es ist eine langer, vielleicht endloser Weg zum Ziel, der Perfektion. Dies wird an einer kurzen Geschicht deutlich: Ein Schüler fragte einst seinen Großmeister: Wie lange muß ich trainieren bis ich eine Kampfkunst beherrsche? Darauf antwortet der Großmeister: 10 Jahre. Und wie lange muß ich trainieren, wenn ich täglich trainiere? Darauf die Antwort: 20 Jahre lang. Und wenn ich täglich mehrere male trainiere, wie lange wird es dann dauern? Darauf der Großmeister: Dann wirst du es nie erreichen.

Wenn man einen Blick auf das Leben der Zen-Mönche wirft, wird dies besonders deutlich. Die Erleuchtung wird nicht durch das Warten auf das Ziel erreicht, sondern durch das Beschreiten des richtigen Weges.

Damit ist Karate mehr als eine Kampftechnik. Es ist die Schulung von Körper und Geist, eingebunden in meditativ- philosophische Lehren Ostasiens.
Dies stellt wohl die entscheidenste Besonderheit dieser Sportart gegenüber anderen Sportarten dar. Weiterhin zeichnet sich diese Sportart deutlich von anderen ab durch die Möglichkeit, sie auch in hohem Alter noch ausüben zu können.

Sicher werden sie davon ausgehen, dass Karate eine Sportart ist, in der viele Verletzungen und Unfälle auftreten. Ganz im Gegensatz zu dieser vermuteten Annahme stellt Karate eine Sportart dar, die sich gerade durch eine geringe Zahl von Verletzungen und Unfälle im normalen Trainingsbetrieb auszeichnet. Durch ein sehr strenges Regelwerk, in dem jeglicher Körperkontakt verboten ist und sofort geahndet wird, stellt Karate eine ganz friedliche Sportart dar.

Jetzt werden sie sich allerdings noch fragen: Bringt mit das erlernen dieses Techniken, die so harmlos sein sollen, überhaupt etwas für meine Selbstverteidigung?

Auf der einen Seite stellt Karate durch das Erlernen ganz strikter Reaktionsabläufe, von Angriff und Verteidigung, nicht unbedingt die effektivste Form der Selbstverteidigung für eine Anwendung auf der Straße dar. Auf der anderen Seite ergibt sich durch die Schulung von Kraft, Ausdauer, richtiger Atmung und Konzentration auf die eigenen Fähigkeiten, den Körper und seine Reaktionsmöglichkeiten, mit Sicherheit eine Verbesserung der Verteidigungschance. Das Reaktionsvermögen wird sich sichtbar verbessern, was auch zu mehr Selbstsicherheit führt. Es findet eine Schulung der eigenen Persönlichkeit statt. Durch das ständige Arbeiten an der eigenen Person baut sich ein Bewußtsein über das Selbst auf. In manchen Fällen kann diese Stärkung des Selbstbewußtseins gerade für Frauen eine effektive Form der Selbstverteidigung darstellen.

Abgelegt unter allgemein,blog,mondo | 1 Kommentar »

Denksport beim Bewerbungsinterview

ingo, um 15:52 Uhr am 10-03-2013

Thrown in a blenderNeulich hatte ich mich mit einem Freund über den Google-Test unterhalten. Er nimmt seit Jahren an diesen Tests teil, nur um zu sehen ob es noch geht. Immer wieder hört man von Bewerbungsinterviews, in denen schwierige Fragen (sog. Brainteaser) gestellt werden. So ist eine beliebte Frage an Google-Bewerber : “Stellen Sie sich vor, Sie wären auf die Größe eines Bleistiftes geschrumpft und würden in einen Mixer geworfen. Wie kommen Sie da raus?” . Dabei geht es meist nicht um die korrekte Antwort, sondern wie der Bewerber mit solchen Fragen umgeht, aber auch die Strategie zur Lösung. Natürlich kann man sich auf solche Fragen vorbereiten; mittlerweile gibt es zahlreiche Bücher und Webseiten, in denen Frage und mögliche Antworten veröffentlicht werden. Aber das merkt an den Kandidaten meist schnell an, und damit ist der Test dann nicht unbedingt erfolgreich durchgeführt.

Ich habe etwas ge’google’d (sic!), und dabei die folgende Interview Frage gefunden:

What is the philosophy of Martial Arts? / Was ist die Philosophie in Kampfkünsten?

Glassdoor: Interview Question for Sales Associate at Aflac

Diese Frage finde ich bemerkenswert, denn oft hört und liest man vom Einzug der Kampfkünste in den normalen Alltag. Man denke nur an die Buchreihe “Zen und die Kunst des …” die aus dem sehr guten Buch Zen und die Kunst des Bogenschiessens entstanden ist. Und jetzt wird es in Bewerbungsinterviews abgefragt ? Hier würde mich dann aber doch die richtige Antwort interessieren …

Interessant zu lesen, welche Antworten bei den Kommentaren gegeben werden, hier eine Auswahl:

  • Mind over matter.
  • Fighting is the last option.
  • Expect the unexpected.
  • Balance in life.
  • Peace through power.
  • Martial arts have a strong philosophical belief of the flow of energy and peace. The Martial Arts are considered both an art for its dynamics of body movement as well as a science for its systematic application in relation to anatomy, physics, philosophy, hoplology and criminology.

Wie würde ich diese Frage beantworten? Wahrscheinlich würde ich mich auf dei 20 Regeln des Karate von Gichin Funakoshi beziehen und dann folgendes antworten:

Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern liegt in der Vervollkommnung des Charakters des Ausübenden.

Das geht einher mit der Aussage

Es gibt keinen ersten Angriff im Karate

Diese Aussage findet sich in vielen Aspekten des Karate wieder: Im Kumite gibt es verschiedene Strategien (Sen no sen, Go no sen), um dem Partner vorzukommen, aber nicht selbst den ersten Angriff zu tätigen. Auch fängt jede Kata im Shotokan mit einer Verteidigungsbewegung an. Aber nicht nur im Training gilt diese Aussage, sondern begleitet uns im ganzen Leben. Als Karateka suche ich nicht den Streit, sondern gehe diesem aus dem Weg.

Das bedeutet aber, dass ich vorbereitet bin (geistig und körperlich) und antizipieren kann, was mich erwartet. Und genau das ist es, was Unternehmen suchen. Eine Organization (und deren Mitarbeiter) die fit ist – sowohl strategisch als auch organisch – und sich mit Kunden, Markt und Mitbewerbern auseinandersetzt. Die Strategien stetig durchspielt, um vorbereitet zu sein und schnell agieren zu können. Die Philosophie des Karate wird auf das Unternehmen angewandt. Also durchaus keine schlechte Frage.

Wie würdet ihr diese Frage beantworten?

ingo

Weitere Links:

Abgelegt unter blog,mondo | Comments Off

Beherrschung

ingo, um 13:52 Uhr am 19-02-2012

Im Budo findet sich oft die Reden von den “Ehernen Regeln”, siehe auch Die 15 Ehernen Regeln des Karate und Die 10 Judowerte.

Gestern nacht gab es wieder einen WM-Boxkampf, diesmal mit Vitali Klitschko. Man kann bei Boxen sicher getrennter Meinung sein. Was ich aber diesmal wirklich bemerkenswert fand war die Beherrschung, die die Brüder Vladimir und Vitali zeigten.

Es gab zwei Situationen, in denen die Klitschkos eine souveräne Beherrschung zeigten: Erstens beim offiziellen Wiegen am Donnerstag, bei dem der Herausforderer Dereck Chisora dem Weltmeister eine Ohrfeige verpasste. Die zweite Situation dann kurz vor dem Kampf, als Dereck Chisora den Bruder Vladimir ins Gesicht spuckt.
Vitali Klitschko gegen Dereck Chisora: Bereits beim offiziellen Wiegen für den WM-Schwergewichtskampf kam es zum Eklat. Der Brite ohrfeigte Klitschko.

Beides Mal sind die Klitschko-Brüder sehr ruhig geblieben, beherrscht haben sie sich zu keiner Reaktion verleiten lassen. So kurz vor einem Weltmeisterkampf bei einer solchen Unsportlichkeit derart souverän und beherrscht zu bleiben war das Weltklasse. Man kann sich gut vorstellen, das so kurz vor dem Kampf gerne die Nerven offen liegen und den Kampf schnell “ein paar Stunden nach vorne verlegt”. Die bevorstehende Kampfsituation gilt für beide Klitschkos, denn auch Vladimir Klitschko ist in der Endphase der Wettkampfvorbereitung – er hat in 2 Wochen einen Weltmeisterschaftskampf. In dieser Situation – bei der das Adrenalin in den Körper schiesst – besonnen zu handeln zeigt den wahren Meister. Und auf der anderen Seite kann man sehen, wie Unbesonnenheit ins Leere verpufft.

So konnte der Beobachter deutlich den Unterschied zwischen Beherrschung und Unbeherrschtheit sehen. Ich glaube nebenbei nicht, dass diese Attaken reines taktisches Kalkül waren; aber auch in diesem Fall wäre das ein Beispiel von Unsportlichkeit – denn Regeln sind dazu da, dass sie eingehalten werden. Auch nach dem Kampf gab es weitere Beispiele für Unsportlichkeit und Unbeherrschtheit seitens Chisora, diesmal gegen seinen Kollegen und Landsmann David Haye.

Fazit: Eherne Regel Nr.12

12. SEI BEHERRSCHT! Zeig in allen Situationen Selbstdisziplin und wahre die Beherrschung! Lerne deine positive und negative Emotionen zu unterdrücken. Mache zum Beispiel wegen einer Bagatellverletzung kein großes Aufheben, kämpfe kontrolliert und konzentriert weiter: du treibst Karate, eine harte Zweikampfsportart!

Abgelegt unter blog,mondo,wettkampf | 1 Kommentar »

Die 10 Judowerte – auch für Karate relevant ? !

ingo, um 16:16 Uhr am 06-01-2012

Auf der Judo-Homepage werden die 10 Werte des Judo erklärt. Ivch finde diese Zusammenstellung sehr gelungen und denke zudem, dass diese Werte auch für unseren Sport gelten. Das liegt wohl daran, dass beide japanische Kampfsportarten sind, aber eben nicht nur Sportarten sondern auch eine Lebenseinstellung.

Die 10 Werte des Judo
Quelle: Deutscher Judo Bund.

  • Höflichkeit Behandle deine Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde. Zeige deinen Respekt gegenüber jedem JUDO-Übenden durch eine ordentliche Verneigung.
  • Ehrlichkeit Kämpfe fair, ohne unsportliche Handlungen und Hintergedanken.
  • Ernsthaftigkeit Sei bei allen Übungen und im Wettkampf konzentriert und voll bei der Sache. Entwickle eine positive Trainingseinstellung und übe fleißig.
  • Respekt Begegne deinem Lehrer und den Trainingsälteren zuvorkommend. Erkenne die Leistungen derjenigen an, die Judo schon vor deiner Zeit betrieben haben.
  • Selbstbeherrschung Achte auf Pünktlichkeit und Disziplin bei Training und Wettkampf. Verliere auf der Matte nie die Beherrschung, auch nicht bei Situationen, die du als unfair empfindest.
  • Mut Nimm im Judo und beim Wettkampf dein Herz in die Hand. Gib dich niemals auf, auch nicht bei einer drohenden Niederlage oder bei einem scheinbar übermächtigen Gegner.
  • Wertschätzung Erkenne die Leistung jedes anderen an, wenn dieser sich nach seinen Möglichkeiten ernsthaft anstrengt.
  • Bescheidenheit Spiele dich selbst nicht in den Vordergrund. Sprich über deinen Erfolg nicht mit Übertreibung. Orientiere dich an den Besseren und nicht an denen, deren Leistungsstand du bereits erreicht hast.
  • Hilfsbereitschaft Hilf deinem Partner, die Techniken korrekt zu erlernen. Unterstütze die Anfänger. Hilf den Neuen, sich in der Gruppe zurechtzufinden.
  • Freundschaft Achte all diese Werte und alle Menschen. Dann wirst du beim Judo unweigerlich Freunde finden.

Wenn man das mit den Ehernen Regeln des Karate vergleicht, gibt es doch eine Menge Überschneidungen. Was meint Ihr ?

Ingo

Abgelegt unter allgemein,blog,dojo,mondo | 1 Kommentar »

Kompetenzmodell

ingo, um 20:48 Uhr am 24-09-2011

Ihr wisst, dass ich gerne Erfahrungen aus Beruf auf das Karate abbilde. Vorletzte Woche durfte ich einen Kurs besuchen (“bow tie” Kommunikationskurs von Mandel) und habe dort die 4 Kompetenzphasen kennengelernt: vom unbewust Inkompetenten über den bewust Inkompetenten hin zum bewust Kompetenten und zum Unbewust Kompetenten; hier das Modell in grafischer Form.

Kompetenzmodell

Nun, da fiel mir gleich auf, dass es im Karate nicht viel anders ist. Wenn wir einen neuen Anfängerkurs starten gibt es immer welche, die Karate und den Kampf schon längst beherschen – also unbewust inkompetent sind. Nach wenigen Trainingseinheiten wird ihnen aber klar, das Karate viel mehr ist. Auch der Kampf – ob mit anderen oder mit sich selbst – wird plötzlich wirklich schwierig. Nach jahrelangem Training wird man kompetenter, aber man übt das Karate sehr bewust aus: Bei den Katas denken wir an die nächste Technik, wie die Technik verbessert werden kann, oder wie noch mehr Ausdruck in die Kata gebracht werden kann. Im Kumite überlegen wir uns den nächsten Angriff, oder welchen Angriff der Partner vorhaben könnte und wie wir diesem Angriff entgegen treten können. Man erreicht das Stadium der bewusten Kompetenz. Und nach jahrzehntelangem Training erreicht man hoffentlich auch das letzte Stadium, das der unbewusten Kompetenz.

In den Gürtel-Prüfungen spiegelt sich das Konzept auch wider: Am Anfang werden ganz strikte Techniken und Kombinationen verlangt. Mit der Zeit bekommt der Karateka die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen und seine Kompetenzen zu zeigen. Beispielsweise das Demonstrieren von Bunkai-Sequenzen, die Auswahl der Kata ab dem 1.Kyu und die Auswahl von Kihon-Kombinationen ab dem 2./3.Dan. Dazu fragt der Prüfer weitere Katas ab, je höher die Stufe, desto umfangreicher die Auswahl der Katas. Ab dem 3.Dan werden in der Prüfung spontan Übungen abgefragt, die man nicht vorher einstudieren konnte – hier muss man also seine Kompetenz zeigen, die man sich nicht mehr vorher bewust aneignen konnte.

Ich denke, mann kann die Stufen grob in Gürtelgrade einstufen. Von weiss über gelb/orange/grün/blau und braun/schwarzbis hin zu einem reinen weissen Gürtel. Damit schliesst sich der Kreis.

ingo

Abgelegt unter blog,mondo | Comments Off

38.000 vs. 4

ingo, um 12:08 Uhr am 26-05-2011

Gestern war ich auf einem Vortrag von Michael Gross, dem ex-Schwimmweltmeister und Olympiasieger und für viele von uns ein sportliches Idol in den 80er Jahren. Er hat ein paar interessante Zahlen erwähnt: 38.000 und 4. In seiner aktiven Zeit ist er beeindruckende 38.000 km geschwommen, also fast einmal um die ganze Erde. Auf den Weltmeisterschaften ist er in Summe aber lediglich 4 km geschwommen. Somit hat er zehntausendmal mehr trainiert als das er für sein eigentliches sportliche Ziel – die Weltmeisterschaft – benötigte. Das ist ein sehr interessantes Verhältnis.

Allerdings erklärt es auch, warum wir Karateka die Techniken so oft trainieren und automatisieren. Auch hier trainieren wir die Techniken tausende Male, obwohl wir sie in Prüfungen und auf Meisterschaften nur wenige Male einsetzen. Überschlagen habe ich bestimmt 15.000 mal eine Kata trainiert, dazu weit öfter Sequenzen aus einer Kata oder einzelne Techniken.

Ich habe aus dem Vortrag eine Interessante Weisheit mitgenommen: nicht das Können, sondern das Wollen entscheidet über die Spitze. In seinem Sport kann jeder schwimmen, sehr gut schwimmen. Im Karate beherrscht jeder Wettkämpfer die Techniken, sei es Kata oder Kumite. Aber den absoluten Willen zum Siegen haben nur wenige Sportler. Nur wer nicht aufhört besser werden zu wollen, kann zu den den Besten gehören.

Harte Faktoren – core to play
Weiche Faktoren – key to win

Hier passt auch der Leitspruch von M.Gross: „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer“ (Seneka)

Ingo

Abgelegt unter blog,mondo,wettkampf | Comments Off